“Musik über den Tellerrand hinaus: Die erste Musiker-Generation Südafrikas nach der Apartheid”

Apartheid, Rassentrennung und menschenverachtende Diskriminierung liegen in Südafrika gerade erst 17 Jahre zurück. Soziale Spannungen prägen die „Regenbogennation“ bis heute. Doch Musik verbindet! – denken wir und befragten dazu zwei junge Musiker aus Kapstadt. Die Zeit der Apartheid kennen sie nur aus Erzählungen und Geschichtsbüchern. Mit den Auswirkungen müssen sie beide leben. Wir haben Vuyo Sotashe (21) und Gean Burell (21)  getrennt voneinander interviewt und ihnen die selben Fragen gestellt.

Vuyo Sotashe (21) studiert Jazz und arbeitet als Musiker für Gigs (Instrumental und als Sänger), Synchronsprecher für TV-Werbespots, Sänger für Cover-Tracks & Demos für Rooftop Studios. Hat aktuell den Bundesweiten Sänger-Wettbewerb gewonnen. Der Preis: ein Musik-Stipendium in einem Land seiner Wahl.

Gean Burell (21) ist Vollzeit-Musiker in Kapstadt. Studierte klassische Musik und arbeitet als Musiker für diverse Gigs. Aktuell baut er sich ein Portfolio auf um als Dirigent und Komponist für Filmmusik zu arbeiten.

 

 

Gean/Vuyo, Du bist ein junger Musiker der ersten Generation nach der Apartheid. Was bedeutet Apartheid für Dich?
Gean: Mit der ANC¹ ist heute alles viel freier. Die Apartheid wurde rückgängig gemacht und das ist gut so, denn die Verhältnisse waren sehr unfair. Da ich kein Afrikaner² bin, hat sie mich aber nie wirklich direkt betroffen. Höchstens in der Umkehrbewegung; z.B. durch Quotenregelungen. Früher waren Universitäten rein weiß. Heute ist das anders. Es gibt Quoten dafür, wie viele Weiße und Schwarze es an der Schule oder Universität geben muss. Weiße Freunde von mir durften nicht auf die Universität gehen, da die Universität eine bestimmte Anzahl an Schwarzen haben muss. Wir sind manchmal wieder an dem Punkt angelangt, an dem das Falsche wiederholt wird. Und das ist natürlich auch nicht wirklich sinnvoll. Dadurch sind Menschen betroffen, die selbst nichts falsch gemacht haben. Das Ganze ist doch ein Resultat der Generation meiner Eltern. Aber in der Musik-Szene ist es OK. Denn Musiker machen etwas Gutes –  Inder, Asiaten, Afrikaner, ganz egal. Heutzutage ist es als Schwarzer eher einfacher ein Vollzeitmusiker zu werden als ein Weißer, da viel mehr schwarze Menschen in diesem Land leben und deren Musikszene viel größer ist. Während der Apartheid wäre das noch undenkbar gewesen. Es war nicht erlaubt, man wäre direkt ins Gefängnis gekommen, wenn man Musik gemacht hätte. Und wenn du heute als Schwarzer ein Vollzeitmusiker werden willst, kannst du es (dank der ANC) einfach werden.

Vuyo: Für mich war Apartheid eine Zeit in der unser Land von Rassisten regiert wurde. Die Farbe deiner Haut hat deine Zukunft entschieden: was du arbeitest, was du besitzt und welche Rechte du hast. Aber ich denke, es wäre sehr dumm diese Zeit einfach nur als südafrikanisches Problem zu sehen. Es ist eine wichtige Angelegenheit für jeden Menschen auf der ganzen Welt. Wir sind alle  unterschiedlich und die Art wie wir mit diesen Unterschieden umgehen und auf sie reagieren ist weltweit ein wichtiges Thema. Die Apartheid selbst ist zwar Vergangenheit, aber ihre Aspekte beeinflussen uns bis heute. Jetzt haben wir Programme wie das BEE³ oder das Quoten-System, das  in gewissen Bereichen eine bestimmte Quote an schwarzen Personen vorschreibt. Und das sind Auswirkungen von Entscheidungen, die unsere Regierung in der Vergangenheit getroffen hat. Für all das tragen wir keine Schuld. Es ist fast wie der Kreislauf des Lebens und wir müssen weiter nach vorne blicken. Ja, das ist für mich Apartheid – etwas, das in der Vergangenheit war, aber Einfluss auf das heutige Leben hat.

Ist Diskriminierung noch immer ein Thema?
Gean: Sie ist auf jeden Fall noch ein Thema. Es gibt immer noch Menschen, die keine Afrikaner in ihrem Leben dulden. Sie würden sie z.B. nicht in ihr Haus lassen. Es gibt noch immer Diskriminierung, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie es einmal war. Es gab während der Apartheid Plätze, an denen du als Afrikaner nachts nicht hin durftest, außer du hattest einen „Dom Pass“ dabei, ein Ausweisdokument für Schwarze. Ohne den wurdest du direkt ins Gefängnis geworfen. Du wurdest zusammengeschlagen. Menschenrechte? – Dafür gab es keinen Raum. Wenn du heute einen Afrikaner mit einem Schimpfwort beleidigst, kommst du direkt ins Gefängnis. Es wurde vieles rückgängig gemacht oder umgekehrt. Und ich denke das ist für die Menschen aus unserer Generation oft nicht ganz leicht, wir gehen eh um einiges entspannter miteinander um. Ich hatte niemals ein Problem mit einem Afrikaner. Ich hab es noch nie erlebt, dass ein Afrikaner, zumindest einer in meinem Alter, zu mir gekommen ist und gesagt hat: „Du dummer Weißer!“. Meine Eltern sagten immer: „Pass bei diesem Platz auf…“ oder „Nimm dich in Acht vor diesen Dingen…“. Aber ich hatte niemals ein Problem.

Vuyo: Für mich ist das alles relativ. Ich denke wir alle – und ich versuche jetzt nicht diplomatisch zu  sein – erleben Diskriminierungen in einem bestimmten Grad. Aber wir sind aufgrund unserer Vergangenheit in Sachen Rassismus und Apartheid sehr empfindlich. Manche Sachen nehmen wir als Diskriminierung wahr, obwohl wir das nicht müssten. Du weißt was ich meine, ich fühle mich ein bisschen diskriminiert, obwohl das nicht so ist. Aber manchmal ist es wegen meiner Hautfarbe doch wieder so. Meiner Meinung nach gibt es manchmal einfach Situationen, in der Musikindustrie und im Leben allgemein, in denen ich mich selbst mehr behaupten muss als vielleicht ein Weißer oder jemand mit einem anderen Hintergrund. Aber so erfahre ich das mit verschiedenen Hautfarben und Perspektiven.

Apartheid wird auch als die Zeit der „kulturellen Diktatur“ beschrieben, da selbst schwarze von weißer Musik getrennt wurde. Wie hat sich die Musik seit dem entwickelt?
Gean: Schwarze Musik hatte am Anfang einen starken Beat. Sie hatten kein Geld für viele Instrumente, von daher war Musik sehr Schlag- und Saiten-Orientiert und sehr pulsierend. Musik war keine Belustigung oder Genuss, sie war vielmehr ein Singen über das Leiden. Ich denke dabei an Menschenhandel und Sklaverei. Die Menschen wurden regelrecht verfrachtet, in Gegenden wie die Town Ships oder die Transkei(4). Sie haben in ihrer Musik über das Leiden gesungen und deshalb hat die afrikanische Musik so viel Puls, so viel Leidenschaft. Und wenn man sich die Lyrics aus diesen Tagen anhört, diese typischen bedrückenden Themen mit einer Art liberalen Touch – „Wir können das schaffen, da ist so viel mehr!“. In der Afrikaans-Musik ist es genau umgekehrt. Es ist eine Art von Easy Living, eine positive Musik und es hat nicht diesen Überlebenscharakter. Afrikaans Musik entspringt aus so vielen anderen Vorstellungen. Heute ändern sich meiner Meinung nach die Themen der Musik und auch die Beweggründe, warum sie gemacht wird.

Vuyo: Ich denke Musik ist ein sich selbst entwickelnder Organismus. Musiker simulieren ständig Dinge, denken sich neue Sachen aus und lernen neue Dinge, und das ist das Schöne daran. Das ist der Grund warum wir so viele Genres haben. Allein im Jazz haben wir Blues, African Jazz, Europäischen Jazz, usw. All diese Einflüsse kommen von unterschiedlichen Hintergründen und vereinen sich trotzdem unter dem Dach von Jazz. Erlaube mir Musik als Sprache zu verstehen. Heutzutage haben wir Hip Hop als Sprache. Mit Hip Hop drücken Leute ihre Gefühle aus und viele Jazz Musiker in Cape Town greifen das wiederum im Jazz auf. Das ist das Schöne am Jazz und der Musik – sie ist so unglaublich breit gefächert. Wir können hier dies ändern, das hinzufügen, wir können das dort verbessern – wir können tun worauf wir Lust haben und die Sprache hat sich wieder ein Stück entwickelt. Es existieren also eine Menge Einflüsse und eine Menge Menschen die etwas ändern, entnehmen, oder hinzufügen was sie für gut halten. Das ist großartig und ich finde es fantastisch, dass wir mixen können. Die Musik hat sich also entwickelt und jetzt existieren viele unterschiedliche Sprachen.

Wie würdest du die schwarze und die weiße Musikszene beschreiben?
Gean: Ich denke es gibt da eine unterschiedliche Musikszene in Bezug auf die Genres. Zum Beispiel denke ich nicht, dass viele Afrikaner gerne Rock oder Afrikaans-Musik mögen. Sie verstehen die Sprache einfach nicht. Da existieren bestimmte Barrieren. Ich verstehe zum Beispiel auch kein Zulu. Deshalb findet man mich nur schwer auf einem Kwaito(5)-Konzert. Ich wäre wohl der einzige Weiße dort. Und – auch wenn die Musik grandios ist – ich versteh die Texte nicht. Das ist definitiv eine Barriere. Mit Afrikaans-Musik und Kwaito blickt man z.B. in zwei starke Extreme. Ich denke du würdest kaum einen Afrikaaner auf einem afrikanischen Konzert finden. Es wäre für sie schon OK, aber ich kann mir keinen meiner wirklich großen Afrikaans-Familie vorstellen, der sagt: „Hey, wir schauen uns heute diesen afrikanischen Musiker an.“ Dann schon eher: „Warum sollten wir dort hingehen? Es ist gefährlich!“ Umgekehrt: Wenn ein Afrikaner sich einen Afrikaans-Musiker anschauen möchte, würden seine Leute wahrscheinlich auch abblocken: „Warum willst du diese Snobs ohne Temperament in ihrer Musik ansehen?“.

Vuyo: Im Allgemeinen würde ich sagen, dass Weiße eine eher klassische Ausbildung genießen. Schau mich an: Ich komme aus einer sehr kleinen Stadt mit einer sehr ländlichen Schule, die das Fach Musik nicht angeboten hat. Nach der Schule bin ich nach Kapstadt und wollte Musik studieren. Dafür muss man Musik als Schulfach gehabt haben, man muss zeigen, dass man das grundlegende theoretische Wissen für dieses Studium hat. Aufgrund meiner Erziehung merke ich mir Lieder indem ich sie höre. Heute kann ich zwar Musik lesen und schreiben, aber ich muss noch immer einen Song hören und wiederholen, um ihn zu lernen. Wir Schwarze hatten nie das Medium um Songs aufzuschreiben, und das zeichnet die Szene auch aus. Wenn man sich die schwarzen Kids im College anschaut, die immer einen Nachteil haben, weil sie nicht wissen wie man Musik liest oder schreibt – sie sind doch immer eine Nasenlänge voraus! Ihre Ohren sind sehr trainiert und sensibel und dadurch sind sie um einiges musikalischer. Das steckt einfach in ihnen, denn sie wurden so aufgezogen. Das Problem mit Musik bei einer mündlichen Tradition ist, dass sie verloren geht, wenn sie nicht konstant weiter getragen wird. Wohingegen klassische Musik niedergeschrieben wird. Es ist ein Riesenvorteil der weißen Musikszene klassisch und organisiert zu sein. Das ist meiner Meinung nach auch sehr gut, denn es gibt wiederum Freiheit für Spontanität. Xhosa(6) und schwarze Musik im Allgemeinen basiert auf mündlicher Überlieferung, auf Tradition.

Was ist die führende Musikszene in Südafrika?
Gean: Meiner Meinung nach sind in Südafrika die führenden Musikszenen „Afrikaans-Musik“ bei den Weißen und „Kwaito“ bei den Schwarzen.
Vuyo: Ich glaube Gospel Musik. Das Problem mit Gospel ist, dass es ist nicht glamourös und nicht im TV ist. Aber es ist aber riesig. Ich meine Kwaito ist groß, Hip Hop ist ein enorm wachsendes Genre, aber es ist witzigerweise nichts so groß wie Gospel. Das ist die Szene, in der das meiste Geld gemacht wird, die Gospel-Szene. Sogar viele nichtchristliche Künstler machen Gospelmusik; als finanziellen Backup. Jede Menge Menschen aus dem ländlichen Teil Südafrikas hören diese Musik.

Aus einer kulturellen Perspektive – würdest du sagen, dass Schwarze mit Musik anders aufwachsen? Wenn ja, wie würdest du das beschreiben?
Gean: Afrikaner sind voller Soul und haben von Natur aus schon so einen guten Vibe in sich. In der weißen Kultur ist Musik nicht mal annähernd so wichtig wie in der afrikanischen. Das liegt an den unterschiedlichen Beweggründen. Für mich als Weißer war Musiker immer: „Ich mag den Sound“ , wohingegen es für Schwarze immer mehr wahr, vor allem in der Apartheid: „Musik ist alles was wir haben, sie ist frei, und alles was wir tun können“. Ich persönlich habe viele afrikanische Musiker gesehen, die begnadet darin waren, Musik schnell aufzugreifen. Weil sie es so vertraut mit ihr sind.

Vuyo: Für uns Schwarze ist Musik ein Teil unserer Identität. Meine Mum ist eine Sängerin, keine professionelle, aber sie war in der Kirche die Hauptsängerin. Sie hat früher immer für mich gesungen und mir Tonic sol-fa beigebracht, eine Art Musik zu lesen. Ich habe die gesamte Kultur, die Geschichte meiner Familie und meiner Mum durch Musik kennen gelernt. In unserer Kultur, der Xhosa-Kultur, werden die Geschichten gesungen. Wenn mir meine Mum nachts eine Geschichte erzählen wollte, hat sie sie mir vorgesungen. In unserer Tradition findet jede Zeremonie mit einem Song statt. Meine Großmutter lebt in einer sehr abgelegenen Gegend, in den Bergen im Inland Südafrikas. Wenn wir dort zusammenkommen, beispielsweise zu einer Familienzeremonie, und jemand will etwas sagen, dann muss er dies mit einem Lied ausdrücken. Zum Beispiel beginnt  meine Mutter mit einem Song, wir schließen uns ihr alle an und dann spricht sie. Die Musik sagt uns wer wir sind, sie erzählt die Geschichte unserer Vergangenheit. Ich mache immer Witze über meine weißen Freunde, sie hätten keine Kultur und keine Tradition. Ich fühle mich immer ein bisschen überlegen, da ich ihnen meine Geschichte und von meiner Kultur erzählen kann. Weil alles  bis heute in uns präsent ist. Deshalb würde ich sagen, dass Schwarze mehr in einer musikalischen Tradition aufwachsen. Keine klassische oder formelle, im Sinne von Musik schreiben können oder Musik auf einer intellektuellen Basis verstehen. Es ist ein Teil von dem was wir sind. Es ist wie Essen, Trinken und Atmen.

Was sind deiner Meinung nach die Hauptfaktoren um als professioneller Musiker in Südafrika erfolgreich zu sein?
Gean: Ich glaube, dass die südafrikanische Musikszene noch sehr verwundbar ist und wenn ich an die großen Künstler in Südafrika denke ist das Level, das sie produzieren nicht sehr schwer zu erreichen. Es ist relativ einfach in der Szene Fuß zu fassen, da sie noch in einem Entwicklungsstadium ist: Wir haben nicht annähernd so viele Musik-Produktionsfirmen, Musik-Labels oder Booking-Agenturen wie andere Länder. Und es gibt noch so wenige relevante Player und große Bands. Da kommt man leichter rein. Es ist immer eine Frage der richtigen Kontakte. Und  die richtigen Kontakte sind in Südafrika noch leicht zu erreichen.

Vuyo: Networking! Von allen Faktoren ist das der wichtigste Punkt. Um ehrlich zu sein ist das fast wichtiger als das Können selbst. Viele Musiker schließen Ihr Musik-Studium großartig ab, ohne danach Karrieren zu machen. Was ihnen fehlt ist das Vernetzen und Beziehungen mit Menschen aufbauen. Deshalb denke ich, das Wichtigste ist wen du kennst und wer dich kennt. Und dann eben doch irgendwelche ausgezeichneten Fähigkeiten! Denn über die Tatsache hinaus, dass man viele Leute kennt, muss man in irgendeiner Weise hervor stechen. Es gibt eine Menge Musiker da draußen. In Afrika und in der ganzen Welt. Etwas muss dich von den Anderen unterscheiden. Du musst einzigartig und originell sein!

In vielen Branchen in Südafrika ist zwischen Weißen und Schwarzen noch immer eine riesige Einkommenskluft. Wie ist es deiner Meinung nach in der Musikszene?
Gean: Auch wenn Weiße wahrscheinlich noch immer mehr bekommen und eine riesige Einkommenskluft herrscht, denke ich, dass es sich angleicht. Die Apartheid ist so gesehen noch im vollen Gange, denn Weiße bekommen immer noch in vielen Sachen eine gewisse Präferenz.

Vuyo: Ich würde sagen das ist relativ, und nicht zwingend ein Schwarz oder Weiß Ding. Im Moment bekommt der bessere Musiker den Job, egal welche Hautfarbe er hat. Dank Quotensystem oder BEE suchen große Firmen für Veranstaltungen sogar gezielt Bands mit schwarzen Mitgliedern. Ich würde sagen, allgemein gibt es noch eine Kluft, aber diese ist innerhalb der Musikszene nicht so groß wie in anderen Bereichen.

Würdest Du aus heutiger Sicht in Südafrika als Musiker lieber schwarz oder lieber weiß sein?
Gean: Ich persönlich würde lieber schwarz sein. Ich denke deren Musik macht richtig Spaß und sie schätzen sie so sehr. Auch wenn wahrscheinlich viele Leute anderer Meinung sind. Die Art wie Musik für sie an erster Stelle steht, die Art wie sie sie spielen, die Auftritte, die Art wie die Leute tanzen… Ich habe noch nie ein Publikum so intensiv auf einen Künstler reagieren sehen wie auf einen Afrikanischen. Ich meine wir tanzen zu Afrikaans oder englischen Künstlern und klar, wir  haben Spaß. Aber Afrikaner tanzen auf der Straße, sie tanzen für Stunden, sie nehmen einen Beat und spielen ewig damit. Deshalb wäre es für mich sehr aufregend in diese Szene zu kommen.
Vuyo: Ich wäre und bin lieber schwarz. Wie gesagt fühle ich mich kulturell einfach im Vorteil, da in unserer Musik so viel Geschichte steckt. Dadurch habe ich so viele Elemente, die ich meiner Arbeit hinzufügen kann. Ich denke da ist immer dieser Faktor: „Oh, dieser Typ hat was zu sagen!“ – Und ich glaube, dass Menschen immer jemanden Gehör schenken, der eine Geschichte zu erzählen hat oder etwas repräsentiert, hinter dem eine Geschichte steckt. Viele wurden auch international akzeptiert bzw. haben offene Türen gefunden. Die Leute wissen, dass in deren Leben etwas passiert ist. Unsere Vergangenheit gibt uns Schwarzen Gewicht. Es ist eine Ehre für mich eine Geschichte zu haben und diese als Künstler über die Musik meinem Publikum zu präsentieren.

[Interview von David Löwe]

1 Die seit der Apartheid in Südafrika regierende Partei heißt African National Congress.
2 Man unterscheidet zwischen Afrikanern mit dunkelhäutiger Abstammung und Afrikaans, den weißen Buren.
3 Black Economic Empowerment: „Schwarze Wirtschaftsförderung“ – soll die Ungerechtigkeit der Vergangenheit wieder gut machen und gibt benachteiligten Gruppen wie Schwarzen, Farbigen, Indern und Chinesen mit Staatsbürgerschaft wirtschaftliche Möglichkeiten, die sie früher nicht hatten.
4 Transkei, heute Wild Coast genannt, ist ein Gebiet an der Ostküste Südafrikas in das die Schwarzen in Zeiten der Apartheid zugewiesen wurden und das sie ohne Ausweis oder Reisedokument nicht verlassen durften.
5 Kwaito ist eine traditionelle südafrikanische Musikrichtung, basierend auf langsamen House-Beats, kombiniert mit einem Sprechgesang, meist in Zulu (die Sprache, die von den meisten schwarzen Südafrikanern gesprochen wird).
6 Xhosa ist schwarzes südafrikanisches Stammesvolk, von dem auch beispielsweise Nelson Mandela abstammt.

agqreheh
KOMMENTARE

Kommentar verfassen

*